Jeunalismus

Nüchtern betrachtet bietet der deutsche Journalismus auf den einschlägigen Seiten keine Alternative zu den Werbeprospekten, die einem unfreiwillig ins Haus flattern, sei es aus bedrucktem Zellstoff oder elektronisch per Mail. Anstelle ein Thema für den geneigten Leser aufzuarbeiten, werden die süffisanten Texte großzügig bebildert und mehrmals unterstrichen, vorallem wenn es darum geht, bekannte Marken mit in die Sätze zu verweben. Beispielsweise entschied sich jüngst wieder ein Spiegel-Online-Redakteur, anstelle eines fundierten Berichts über Drahtesel, der zumindest ansatzweise – schon aufgrund der über dieses Thema bereits erschienenden, unzähligen Artikel –  eine journalistische Leistung erfordern dürfte,  für eine ungenierte Aufreihung altbekannter Firmen mit dazu passender Verlinkung. An anderer Stelle versuchen sich Zeit-Redakteure an wissenschaftlich angehauchten Lückenfüller und scheitern an denen dafür wesentlichen Fachbegriffen, die über den Tickerinhalt der Nachrichtenagenturen hinausgehen, obwohl ein geschulter Blick in jede vernünftige Enzyklopädie den gröbsten Unfug verhindern hätte können.

Wie eine rote Schnur ziehen sich diese lauwarmen Aufgüsse durch die Presse, die sich selbst zur journalistischen Elite zählt. Dabei fällt auf, dass in Summe das Wesen der Leserkommentare oft präzisere und differenziertere Urteile fällt, Zusammenhänge besser darstellt und sich nicht zu schade ist, das Ganze mit einer Prise Humor zu würzen. Vielleicht sollten einige Autoren ihre Strategie überdenken und sich zukünftig dieses Wesens annehmen, sprich ihren Artikel erst verfassen, sobald eine gewisse Anzahl Kommentare eingegangen ist. Zumindest würde diese Art des Schreibens eine Mindestmaß an Aufarbeitung, in diesem Fall sogar verschiedener Quellen, und eine wahrhaftige Auseinandersetzung mit dem Thema in Gang setzen.

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Objekt # 1.42 – Bruchstücke

DrahtglasBei längerer Betrachtung dieser Aufnahme und dem dazugehörigen, unmissverständlichen Titel Bruchstücke entwickelt sich beim Betrachter aus dem unterbewussten Gefühl der Zusammengehörigkeit die Einzelleistung verschiedener Elemente, deren Symbiose in Frage gestellt werden kann.

Symbolisieren die vergilbten Glasscherben ein unlösbares Puzzle der Zerstörung längst vergangener Tage,  fällt nebenbei auf, dass auch der blaue Himmel Teil eines noch größeren Scherbenhaufens ist, der mit dem zerbrechlichem Geflecht aus Glas und Drahtabschnitten unvereinbar im Kontrast steht, ja, sogar im Kontrast stehen muss, berücksichtigt man neben der zeitlichen auch örtliche Distanzen zwischen den Betrachtungspunkten.

Das mit Rost bedeckte Scharnier kann seinem symbolischen Charakter, der inneren Welt als Angelpunkt gegen einflussnehmende Instanzen zu dienen, nicht mehr nachkommen und verliert sich Rahmen, aus dessen Netzwerk er einst selbst auszubrechen vermochte.

 

Strandradar

Die Fühler im Sand, das Radar die Hand, geht’s Stein um Stein, Füße wollen wie Kiesel sein.